Die „Macht der Sportwetten“: Gefährlich und kaum reguliert
So ist keineswegs sicher, ob Organisationen wie der Fachverband oder auch deutsche Behörden ihre finanziellen Ansprüche künftig gegen Wettanbieter in Malta noch durchsetzen können. Die dortige Regierung plant, die Vollstreckung ausländischer Urteile auch aus der EU gegen in Malta lizenzierte Glücksspielanbieter zu verbieten.
| Produkt/Aktion | Beschreibung | Werbeclaim | Plattform-Schwerpunkt |
|---|---|---|---|
| Neukundenbonus | 100% Bonus auf erste Einzahlung | "Starte mit mehr Spielgeld!" | TV, Vergleichsportale |
| Live-Wetten | Wetten während des Spiels | "Die Spannung live mitnehmen." | TV, Social Media |
| Quoten-Boost | Erhöhte Quote auf ausgewählte Tipps | "Deine Quote, unser Boost!" | App-Push, E-Mail |
| Tippgemeinschaft | Gemeinsames Tippen mit Freunden | "Gemeinsam mehr gewinnen." | Social Media, App |
Das soll diese mutmaßlich vor allem gegen die wachsende Zahl von Forderungen von Spielern aus Deutschland und Österreich schützen, die verlorene Einsätze zurückverlangen. Ob auf Banden- oder Trikotwerbung im Stadion, in TV-Spots oder als Werbeclips im Web, zahlreiche Sportwettenanbieter ringen um die Gunst der Zuschauer*innen.
- E-Mail-Marketing mit personalisierten Wettvorschlägen
- Werbeaktionen an Verkaufsstellen (Bars, Kioske) mit QR-Codes
- Bewerbung von "Sicherheitswerkzeugen" wie Einzahlungslimits
- Werbung für die mobile Nutzung ("Wetten von unterwegs")
Um möglichst authentisch zu wirken, setzen die Anbieter bevorzugt auf aktive und ehemalige Sportler*innen als Markenbotschafter*innen, wie die neue Kampagne von Interwetten („Wetten ist unser Sport“) zeigt. Hier wirbt der deutsche Rekordnationalspieler Lothar Matthäus zusammen mit Peter, einem „ausgewiesene[n] Experte[n] in Sachen Fußball, Basketball, Ski, Tennis – und im Wetten natürlich“, wie der Anbieter und seine Partneragentur Jung von Matt/Sports zum Kampagnenstart mitteilten. Sportwetten sind ein Milliardengeschäft, bei dem viele nationale und internationale Anbieter mitmischen.
SportWetten, dass..?
Doch es gibt viele solcher Urteile, nicht nur gegen Tipico - denn zwischen 2012 und 2020 hatten die Anbieter von Online-Sportwetten und Online-Glücksspiel in Deutschland keine Lizenzen und es gab keinen umfassenden Spielerschutz. Tipico bestreitet, sich rechtswidrig verhalten zu haben- diese Frage werde durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) geklärt und man sehe dieser Klärung zuversichtlich entgegen, heißt es auf Anfrage des ARD-Magazins Monitor. Die Höhe des möglichen Schadens von 150 Millionen Euro kommentiert Tipico nicht - man habe dafür aber nach internationalen Standards Rückstellungen von "unter 10 Millionen Euro" gebildet. Also nicht einmal zehn Prozent der geschätzten Schadenssumme. Und viel mehr Geld ist in der beklagten Tipico-Gesellschaft offenbar auch gar nicht mehr vorhanden.
Über IPPEN.MEDIA
Tipico sitzt im EU-Staat Malta und ist dort zurzeit noch sicher vor den Rückforderungen, denn Malta hat 2023 ein Gesetz erlassen, das zum Schutz der dortigen Glücksspielbranche maßgeschneidert ist: die so genannte "Bill 55". Danach werden Urteile ausländischer Gerichte gegen Glücksspielunternehmen und Sportwettenanbieter nicht vollstreckt. Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Am Ende entscheidet der EuGH - und nach Einschätzung der Kläger stehen die Chancen nicht schlecht, dass er die "Bill 55"kippt. Zusammengefasst laufen also gerade zwei Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof, deren Ausgang für Tipico und andere Glücksspielanbieter sehr teuer werden könnten. Der Deutsche Sportwettenverband beziffert die Wetteinsätze in Deutschland im Jahr 2023 auf 7,7 Milliarden Euro, in den Corona-Jahren 2021 und 2022 lagen sie noch deutlich darüber.
Kahn steht nun auch Pate für Sportwetten-Anbieter
Demnach darf ein Sportwettveranstalter auf Trikots oder Banden lediglich mit seinem Markennamen ohne weitere Zusätze werben. Der Fachverband Glücksspielsucht, der sich für Spielsüchtige einsetzt, hat Tipico daraufhin abgemahnt und eine Unterlassungserklärung gefordert. Diese gab das Unternehmen mit Sitz auf Malta inzwischen ab und verpflichtet sich, bei weiteren Verstößen eine Vertragsstrafe zu zahlen. Folgen dürfte für Tipico jetzt noch ein Bußgeld der gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder. Die Einrichtung in Halle ist für die Überwachung der Anbieter zuständig. Das treibt den Wettbewerb zwischen den Anbietern zusätzlich an.
Das Ende der Zusammenarbeit – Ausstieg 2020
Die Mehrheitsanteile wurden jetzt auch noch weiterverkauft. Für Regine Buchheim - Professorin für internationale Rechnungslegung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin - ist der aufgekommene Verdacht nicht von der Hand zu weisen, auch wenn man die Gründe der "Umstrukturierung" von außen nicht beurteilen könne: "Der Abschluss belegt, dass das bet sportwetten anbieter mit sitz in deutschland Tafelsilber - nämlich die Rechte des Internetauftritts, ein Teil des Kundenstammes, die Software und die Marke - an die Mutter übertragen worden sind. Und das kann ich ja nur einmal im Leben eines Unternehmens machen", so die Expertin gegenüber Monitor. mit der massiven Gewinnausschüttung - knapp 450 Prozent höher als im Vorjahr - also gezielt arm gemacht worden, um den Klageforderungen zu entgehen? Tipico-Chef Axel Hefer - gleichzeitig Aufsichtsratschef von Schalke 04 - hat ein Interview dazu abgelehnt.
➡️ Wer ist der Besitzer von Tipico?
Schriftlich weist das Unternehmen den Verdacht, sein Geld vor den Klägern in Sicherheit bringen zu wollen, allerdings nicht ausdrücklich zurück. Tipico schreibt von "unlauteren Spekulationen", die man prinzipiell nicht kommentiere: "Die Ausschüttung von Dividenden unterschiedlicher Höhe, Umstrukturierungen sowie Rechtsgeschäfte zwischen unterschiedlichen Gesellschaften innerhalb einer Unternehmensgruppe sind gewöhnliche Vorgänge, die (…) in allen Wirtschaftssparten üblich sind. Sämtliche Transaktionen innerhalb der Tipico Gruppe werden extern überprüft und geschehen auf Basis geltenden Rechts." Aber warum gerade jetzt so viel Geld aus der in Deutschland beklagten Tipico-Tochter ausgeschüttet wurde - dazu macht Tipico keine Angaben. Der deutschen Aufsichtsbehörde - der Glücksspielbehörde der Länder (GGL) - sind diese Vorgänge bekannt. Wird sie die Tipico-Lizenz jetzt überprüfen? Das Marktforschungsunternehmen YouGov hat für die absatzwirtschaft die Werbewahrnehmung (Ad Awareness) von Sportwettenanbietern im deutschen Markt untersucht. In der Auswertung, die den Zeitraum vom 25. März 2022 bis 24. März 2023 mit dem vom 25.
| Vorgabe | Umsetzung in Tipico-Werbung | Platzierung | Beispieltext |
|---|---|---|---|
| Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) | Pflicht-Hinweise in Audiospur und Bild | Am Spot-Ende, Untertitel | "Spiel verantwortungsvoll. Ab 18." |
| Werbeverbot für Minderjährige | Darstellung nur von Erwachsenen, Alterscheck | Inhalt der Spots, Zielgruppensteuerung | Keine Darstellung von unter 18-Jährigen |
| Hinweis auf Spielsuchtgefahr | Einblendung der Hilfe-Hotline | Bildschirmeinblendung, Website-Footer | "Hilfe unter 0800 1372700 (kostenlos)" |
| Verbot irreführender Werbung | Realistische Gewinndarstellung, "kann süchtig machen" | Integriert in Claims und Botschaften | "Gewinnen ist nicht garantiert." |
März 2023 bis 24.
Turnierplan als Sendeplan
Auf Monitor-Anfrage heißt es nur ganz allgemein: "Behauptete Verstöße (…) werden durch die GGL geprüft." Zu konkreten Vorgängen in einzelnen Unternehmen äußere man sich grundsätzlich nicht. Ob Michael Keller und die anderen Kläger ihr Geld zurück bekommen werden, hängt nun erstmal am EuGH. Und dann womöglich an der Frage, ob die "Tipico Co. auf Malta überhaupt noch genug Geld hat. "Ihre Wette in sicheren Händen" - für Michael Keller bet neue sportwetten anbieter 2026 klingt die damalige Tipico-Werbung mit Oliver Kahn mittlerweile wie Hohn.
🙂 Tipico Boni für Bestandskunden
Kahn reagierte nicht auf eine Anfrage von Monitor. Hertha BSC ist nicht der einzige Verlierer der Bundesligapartie gegen den FC Bayern München in der Münchner Allianz Arena am 30. April: Einen Misserfolg kassierte jetzt auch einer der beliebtesten Werbepartner des deutschen Profifußballs, des Sportwettanbieters Tipico. Während des Spiels im April wurden immer wieder die Werbeschriftzüge »Tipico – Jetzt Wette platzieren« und »Tipico – Offizieller Partner der Bundesliga« auf den Banden am Spielfeldrand gezeigt. Das ist ein Verstoß gegen den Glücksspielstaatsvertrag der Länder, der zwar inzwischen Sportwetten von lizenzierten Anbietern wie Tipico zulässt, die Werbung aber streng reglementiert. März 2024 vergleicht, schnitten alle Anbieter in den Top 10 im aktuelleren Zeitraum mindestens gleich oder besser ab als im Vorjahreszeitraum.
Die bisherigen Regelungen entsprechen vorrangig den Interessen der Industrie
»Wir haben unsere Erkenntnisse weitergegeben und wissen, dass der Vorgang dort untersucht wird«, sagt Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des Fachverbands. Füchtenschnieder beobachtet zahlreiche ähnliche Verstöße, denen ihr Verein aber nicht allen nachgehen könne. Deshalb fordert sie, dass die Bundesländer neben der gemeinsamen Behörde auch eine zivilrechtliche Organisation, etwa eine Ombudsstelle zum Thema Glücksspiel einrichten. »Die Länder haben sehr hohe Einnahmen aus dem Glücksspiel«, sagt sie, »aber um den Markt in den Griff zu bekommen, muss man rasch handeln können und die nötigen Finanzmittel haben, um nötigenfalls auch teure Gerichtsverfahren zu finanzieren«. Bei ihr werde so etwas aus Spenden finanziert. Mit anderen Worten, sie legten bei ihrer Sichtbarkeit zu – oder fielen jedenfalls nicht ab. Nummer eins bei der Ad Awareness ist Tipico mit großem Abstand auf die Konkurrenz. So präsent das Thema Sportwetten ist, so umstritten ist es nach wie vor. Wie es um das Image von Sportwetten und die Akzeptanz von Werbeformaten steht, hat YouGov 2022 im Report „Global Gambling 2022: The consumer view in the gambling debate“ untersucht. Nur gut ein Viertel (27 Prozent) der befragten Verbraucher*innen waren der Ansicht, dass es hierzulande erlaubt sein sollte, online oder in Person Wetten auf sportliche Ereignisse abzuschließen. Damit nahm Deutschland im Vergleich von 18 untersuchten Ländern den letzten Platz ein.
Geld wurde immer weitergereicht
Versucht Tipico deshalb, das Geld vor den Klägern in Sicherheit zu bringen? Genau diesen Verdacht hat etwa der Branchen-Insider Michael Schmitt von der Online-Plattform "Malta Media", der mit einer Kollegin die Bilanzen verschiedener Tipico-Gesellschaften analysierte. Er hat dabei einen Milliardenabfluss aus eben jener Tipico-Tochtergesellschaft entdeckt, die die deutsche Lizenz für Sportwetten hält - und gegen die sich die Klagen der Spielenden aus Deutschland richtet. "Uns ist ganz einfach bet tipico konto loschen email aufgefallen, dass im Geschäftsbericht von 2024 sehr große Bewegungen waren", so Schmitt. Konkret geht es um die "Tipico Co.
➡️ Ist Tipico seriös?
", jenes Unternehmen der Tipico-Gruppe, das seit 2020 die deutsche Lizenz für Sportwetten hat. In deren Geschäftsbericht 2024 findet sich eine Dividendenausschüttung von 1,087 Milliarden Euro an die "Tipico Group" - also an die Muttergesellschaft. Das sei nicht illegal, betont Schmitt, aber: "Das deutet darauf hin, dass man hier versucht, eine leere Hülle zu hinterlassen, um zukünftigen Spielerverbindlichkeiten aus bestehenden Urteilen aus dem Weg zu gehen". Monitor hat den Weg der Milliardenausschüttung innerhalb des Firmengeflechts der Tipico-Gruppe nachvollzogen: Von der Muttergesellschaft - der "Tipico Group Ltd." in Malta wurde es offenbar an verschiedene Tipico-Gesellschaften in Luxemburg weitergereicht. Ein Großteil der Millionensumme wurde anschließend an die oberste Konzernmutter "CVC Capital Partners VII" auf Jersey weitergereicht. Die höchste Akzeptanz haben Sportwetten in Hongkong (50 Prozent), Kanada und den USA (je 48 Prozent).
- Anzeigen in Sportzeitschriften und -magazinen
- Affiliate-Marketing über Sport-Blogger und Influencer
- Werbung für Wett-Tipps und Statistiken als Entscheidungshilfe
- Gastbeiträge oder gesponserte Inhalte auf Sport-Nachrichtenseiten
Die internationale Studie zeigte auch, dass in den Augen der Deutschen zu sehr für Sportwetten geworben wird beziehungsweise die Anbieter zu oft als Sponsoren in Erscheinung treten.
- Prominente Werbegesichter, die Tipps abgeben oder vermeintlich selbst wetten
- Betont risikofreie Einstiegsangebote ("Erste Wett verloren? Geld zurück!")
- Werbung für die Vielfalt der Wettmärkte (Tore, Karten, Ecken etc.)
- Hinweise auf Cash-Out-Funktionen während des Spiels
- 2. Bundesliga Meister Wettquoten 2026: Favoriten & Prognose
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